
18.10.2023 | Wie erkennt und behandelt man Lyme-Borreliose?
18. Oktober 2023
Podcast: Was sagt Ihr Arzt?
Folge: Wie erkennt und behandelt man Lyme-Borreliose?
Führend: Dariusz Litera
Gast: Dr. Ewa Jarowicz, Spezialistin für Infektionskrankheiten
Dauer: 15 Minuten
Ein Zeckenbiss löst bei Patienten häufig Angstzustände aus, meist aufgrund des Risikos einer Lyme-Borreliose. Diese Angst rührt jedoch oft von unvollständigen oder fehlerhaften Informationen im Internet her, was eine rationale Einschätzung der Situation und ein angemessenes Handeln erschwert.
In dieser Podcastfolge erklärt Dr. Ewa Jarowicz, wie Lyme-Borreliose in der Praxis diagnostiziert wird, welche Symptome wirklich wichtig sind und wann eine Behandlung begonnen werden sollte. Im Gespräch geht es außerdem um das Problem der Überdiagnose und die Herausforderungen in der Arzt-Patienten-Beziehung im Kontext gängiger Gesundheitsmythen.
Vollständiges Podcast-Transkript
[00:00:00] Einleitung – Besteht nach einem Zeckenbiss immer das Risiko einer Lyme-Borreliose?
Dariusz Litera:
Es ist passiert. Wir kommen von einer Bergwanderung oder einem Spaziergang zurück und entdecken sie auf unserer Haut. Solange sie nur herumläuft, ist das nicht so schlimm. Schlimmer wird es, wenn sie uns bereits gebissen hat und sich nun an unserem Blut labt. Wir haben gelernt, wie man solche ungebetenen Gäste entfernt. Die einzige Frage, die bleibt, sind die Folgen. Sofort schrillen die Alarmglocken: Besteht nach einem Zeckenbiss die Gefahr einer Borreliose? Und heute ist Ihre Ärztin die Infektiologin Dr. Ewa Jarowicz. Guten Morgen.
Dr. Ewa Jarowicz:
Guten Morgen, hallo zusammen.
[00:00:32] Ist die Diagnose von Lyme-Borreliose schwierig?
Dariusz Litera:
Ist die Diagnose und Behandlung der Lyme-Borreliose eine sehr schwierige Aufgabe für einen Arzt?
Dr. Ewa Jarowicz:
Nein. Für einen Infektiologen ist das nicht schwierig. Das Problem liegt vielmehr beim Patienten, der – beeinflusst von Informationen aus dem Internet – die Diagnose nicht immer akzeptiert oder die Krankheit nicht ausschließt.
Die Behandlung selbst ist einfach – wir haben einen breiten Zugang zu Antibiotika, ambulanter und stationärer Behandlung sowie guten Diagnoseverfahren.
[00:01:17] Patient „aus dem Internet” – eine Herausforderung in der Praxis
Dariusz Litera:
Ist es nicht schwieriger, wenn ein Patient mit einer bereits fertigen Behandlungsidee kommt?
Dr. Ewa Jarowicz:
Das ist die schwierigste Situation. Der Patient kommt in die Praxis, überzeugt davon, an Borreliose erkrankt zu sein und erwartet ein bestimmtes Antibiotikum. Sehr oft muss man ihm jedoch mitteilen, dass er die Krankheit nicht hat.
Über die Lyme-Borreliose kursieren im Internet viele Mythen. Die Krankheit auszuschließen und einen Patienten davon zu überzeugen, kann schwieriger sein als sie zu behandeln.
[00:02:28] Warum ist Vertrauen in Ihren Arzt so wichtig?
Dariusz Litera:
Die Arzt-Patienten-Beziehung basiert auf Vertrauen. Wir können nicht mit dem Arzt bei therapeutischen Entscheidungen konkurrieren.
Dr. Ewa Jarowicz:
Wenn ein Patient zum Arzt kommt, bedeutet das, dass er noch Zweifel hat. Die Aufgabe des Arztes ist es, diese Bedenken auszuräumen und den Patienten vor unnötigen Behandlungen mit möglichen Nebenwirkungen zu bewahren.
[00:03:45] Frühe Symptome der Lyme-Borreliose – nicht nur Hautausschlag
Dariusz Litera:
Was sind die häufigsten frühen Symptome der Lyme-Borreliose?
Dr. Ewa Jarowicz:
Rötungen treten meist an der Injektionsstelle auf. Diesen können allgemeine Symptome, sogenannte Prodromalsymptome, vorausgehen: Unwohlsein, leichtes Fieber und grippeähnliche Symptome.
Sie treten nicht immer auf, aber ihr Vorhandensein in Kombination mit einem Stich kann die Diagnose erleichtern.
[00:04:37] Erythem oder allergische Reaktion – wie erkennt man den Unterschied?
Dariusz Litera:
Kann man eine allergische Reaktion leicht mit einem Lyme-Borreliose-Ausschlag verwechseln?
Dr. Ewa Jarowicz:
Diese Veränderungen mögen ähnlich aussehen, aber sie unterscheiden sich in ihrer Natur.
Die allergische Reaktion tritt schnell auf, ist oft juckend, brennend, kann erhaben sein und geht mit Schwellungen einher.
Lyme-Krankheitserythem:
- juckt nicht,
- Es tut nicht weh,
– es ist nicht konvex.,
– wird oft zufällig bemerkt.
Ein Hautausschlag wird als Läsion mit einem Durchmesser von mindestens 5 cm definiert. Kleinere, juckende Läsionen sind meist eine allergische Reaktion.
[00:06:49] Wie wird die Lyme-Borreliose diagnostiziert?
Dariusz Litera:
Wie wird die Lyme-Borreliose diagnostiziert?
Dr. Ewa Jarowicz:
Das klinische Bild ist entscheidend. Im Falle des Erythema migrans erfolgt die Diagnose ausschließlich anhand der Hautsymptome – ohne Laboruntersuchungen.
Serologische Tests können in diesem Stadium negativ ausfallen, da sich Antikörper erst verzögert bilden. Wir warten nicht auf die Ergebnisse – wir beginnen sofort mit der Behandlung.
[00:07:50] Labordiagnostik – wann und welche Tests?
Dariusz Litera:
Gibt es noch weitere diagnostische Tests?
Dr. Ewa Jarowicz:
Grundlage ist ein ELISA-Test (IgM- und IgG-Antikörper). Bei positivem Ergebnis führen wir einen bestätigenden Western-Blot-Test durch.
Sie sollten die Diagnose nicht mit Western Blot beginnen, wenn das ELISA-Ergebnis negativ ist – das ist ein Fehler.
[00:09:12] Wann beginnt die Behandlung?
Dariusz Litera:
Welche Kriterien müssen für den Beginn einer Antibiotikatherapie erfüllt sein?
Dr. Ewa Jarowicz:
Wir behandeln keine Testergebnisse – wir behandeln Symptome.
Zunächst beurteilen wir die klinischen Symptome, untersuchen den Patienten und treffen erst auf dieser Grundlage, unterstützt durch Tests, eine Entscheidung über die Behandlung.
Die Lyme-Krankheit ist der sogenannte „große Imitator” – ihre Symptome können vielen anderen Krankheiten ähneln, daher erfordert die Diagnose Erfahrung.
[00:10:58] Wie wird die Lyme-Borreliose behandelt?
Dariusz Litera:
Was ist bei der Behandlung am wichtigsten?
Dr. Ewa Jarowicz:
Die Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt ist entscheidend. Es ist wichtig, die Empfehlungen zu befolgen und die Therapie nicht eigenmächtig fortzusetzen.
Eine Standardbehandlung dauert in der Regel 2–3 Wochen und ist ausreichend. Eine längere Antibiotikaeinnahme kann zu Komplikationen führen.
[00:11:44] Die Auswirkungen einer unbehandelten Lyme-Krankheit
Dariusz Litera:
Welche Folgen hat eine unbehandelte Lyme-Borreliose?
Dr. Ewa Jarowicz:
Spätformen der Erkrankung, z. B. chronische Arthritis, können auch erst nach 2–3 Jahren auftreten.
Wird die Krankheit nicht behandelt, kann sie zu Gelenkschäden, schweren degenerativen Veränderungen und chronischen Schmerzen führen.
[00:13:00] Lyme-Borreliose – eine Krankheit mit vielen Gesichtern
Dr. Ewa Jarowicz:
Die Lyme-Krankheit kann auch das Nervensystem und das Herz befallen.
Beispiele hierfür sind Gesichtsnervenlähmungen und Herzleitungsstörungen. Dies sind seltene Fälle, die jedoch sorgfältige diagnostische Tests und eine ärztliche Beratung erfordern.
[00:15:09] Ende
Dariusz Litera:
Dr. Ewa Jarowicz sagte dies im Podcast „Was sagt Ihr Arzt?”. Vielen Dank.
Dr. Ewa Jarowicz:
Vielen Dank.
Wichtigste Erkenntnisse für Patienten:
- Die Diagnose einer Lyme-Borreliose ist für einen Spezialisten nicht schwierig, erfordert aber eine sorgfältige klinische Untersuchung.
- Nicht jeder Zeckenbiss bedeutet Krankheit
- Erythema migrans ist ein Hauptsymptom – es juckt oder schmerzt nicht.
- Die allgemeinen Symptome können einer grippeähnlichen Infektion ähneln.
- Die Diagnose beginnt mit einem ELISA-Test, nicht mit einem Western Blot.
- Positive Befunde ohne klinische Symptome werden nicht behandelt
- Die Antibiotikabehandlung dauert in der Regel 2–3 Wochen.
- Die Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt ist von entscheidender Bedeutung.
- Unbehandelte Lyme-Borreliose kann zu Gelenk-, neurologischen und Herzkomplikationen führen.
Informationen zu den Teilnehmern:
Gast: Dr. Ewa Jarowicz, Sie ist Ärztin und Spezialistin für Infektionskrankheiten mit Schwerpunkt auf der Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten und Lebererkrankungen. Sie verfügt über Erfahrung in der Behandlung von durch Zecken übertragenen Krankheiten, Virushepatitis sowie in der antiretroviralen Therapie und HIV-Prävention.
Moderator: Dariusz Litera, Er ist medizinischer Redakteur, Spezialist für Gesundheitskommunikation und Schöpfer des Podcasts CO NA TO TWÓJ ELEKARZ. Seit Jahren engagiert er sich in der Patientenaufklärung und führt Interviews mit Spezialisten verschiedener medizinischer Fachrichtungen.
AUFMERKSAMKEIT!
Dieses Material dient ausschließlich Bildungszwecken. Es ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei besorgniserregenden Symptomen wenden Sie sich bitte an einen Arzt.
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Dariusz Literas Gespräch mit Dr. Marcin Roszkowski, Facharzt für Allgemeinmedizin, bietet praktische Tipps zur Zusammenstellung einer Reiseapotheke, zur Begleitung von Kindern ins Sommerlager, zu Reiseübelkeit und Reisedurchfall. Der Experte betont sowohl die Sicherheit von Medikamenten als auch den vernünftigen Umgang mit medizinischer Versorgung im Urlaub.
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